Cadmium und Sonnenblumenkerne: Warum dieses Gesundheitslebensmittel ins Visier der Behörden geraten ist
Cadmium entwickelt sich in Europa zunehmend zu einem ernsthaften Gesundheitsproblem. Zahlreiche Ärzte haben in letzter Zeit auf dieses Schwermetall aufmerksam gemacht, das mit Nierenerkrankungen und bestimmten Krebsarten in Verbindung gebracht wird. Eine aktuelle Untersuchung der französischen Lebensmittelbehörde Anses zeigt Erschreckendes: 47,6 % der erwachsenen Bevölkerung überschreiten die toxikologischen Referenzwerte für Cadmium – ein Befund, der die tägliche Ernährung direkt in den Fokus rückt.
Bei Nichtrauchern gilt die Nahrung als mit Abstand wichtigste Cadmiumquelle. Das Schwermetall gelangt über mineralischen Phosphordünger in die Böden und von dort unbemerkt in die Nahrungskette – auch in Lebensmittel, die als besonders gesund gelten, wie zum Beispiel Sonnenblumenkerne.
So reichert sich Cadmium aus Sonnenblumenkernen im Körper an
Cadmium wird von Pflanzenwurzeln leicht aufgenommen und in die essbaren Teile weitergeleitet. Einmal im Körper, wird es nur äußerst langsam abgebaut. Es sammelt sich vor allem in der Leber und in der Nierenrinde an, wo es über lange Zeit still und unbemerkt Schäden verursachen kann.
Die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) legt eine tolerierbare wöchentliche Aufnahme von 2,5 Mikrogramm pro Kilogramm Körpergewicht fest. Besonders beunruhigend ist dabei die biologische Halbwertszeit von Cadmium: Sie beträgt 10 bis 30 Jahre – was eine schleichende Anreicherung im Laufe des Lebens begünstigt.
Europäische Analysen zeigen, dass der Cadmiumgehalt in Sonnenblumenkernen je nach Herkunftsland und Anbaubedingungen stark schwankt. Manche Proben erreichen mehrere hundert Mikrogramm pro Kilogramm. Die EU-Verordnung setzt für bestimmte Ölsaaten, die für den menschlichen Verzehr bestimmt sind, einen Höchstwert von 0,5 mg/kg.
Wie hoch ist die tatsächliche Belastung bei täglichem Konsum von Sonnenblumenkernen?
Wer täglich 30 Gramm Sonnenblumenkerne mit einem Cadmiumgehalt von rund 0,35 mg/kg verzehrt, nimmt wöchentlich etwa 73,5 Mikrogramm Cadmium auf. Bei einer 50 Kilogramm schweren Person entspricht das fast 60 % des von der EFSA definierten wöchentlichen Grenzwerts – und das allein durch dieses eine Lebensmittel.
In ungünstigeren Szenarien, wenn der Cadmiumgehalt gegen 0,9 mg/kg ansteigt, kann der tägliche Konsum der gleichen Menge den tolerierbaren Wochenwert sogar überschreiten. Solche Werte schwanken zwar von Charge zu Charge, verdeutlichen aber, welche Auswirkungen ein wiederholter Konsum über mehrere Jahre haben kann.
Betrachtet man die Bevölkerung insgesamt, bleiben Getreide und Getreideprodukte, Kartoffeln, bestimmte Gemüsesorten sowie Meeresfrüchte die wichtigsten Cadmiumquellen. Sonnenblumenkerne spielen vor allem bei Vielzehrern als zusätzliche Belastungsquelle eine Rolle.
Welche Gewohnheiten helfen, Sonnenblumenkerne weiterhin zu genießen ohne die Belastung zu erhöhen?
Sonnenblumenkerne müssen keineswegs vollständig vom Speiseplan gestrichen werden. Es empfiehlt sich jedoch, sie nicht täglich zu essen, sondern nur ein- bis zweimal pro Woche. So lässt sich ihr Beitrag zur Gesamtcadmiumbelastung deutlich reduzieren, ohne auf ihre wertvollen Nährstoffe verzichten zu müssen.
Eine einfache und wirksame Strategie ist das Variieren der Ölsaaten. Haselnüsse, Mandeln, Walnüsse oder Kürbiskerne tragen in der Regel weniger zur durchschnittlichen Cadmiumaufnahme bei – wenngleich auch hier die Gehalte je nach Produktionsbedingungen unterschiedlich ausfallen können.
Ein guter Eisen- und Zinkstatus im Körper kann außerdem dabei helfen, die Darmaufnahme von Cadmium zu bremsen. Die Kombination dieser Lebensmittel mit Vitamin-C-Quellen unterstützt dieses Gleichgewicht zusätzlich. Nicht zuletzt bleibt Tabakrauchen eine bedeutende weitere Belastungsquelle, die bei Rauchern zur alimentären Aufnahme noch hinzukommt.












