Schweizer Gehälter, die einem den Atem verschlagen
Fangen wir mit der Zahl an, die alles auf den Punkt bringt: 7.300 Euro brutto. Das ist weder das Gehalt eines Ingenieurs noch das eines Hochschulprofessors. Es handelt sich um den monatlichen Schweizer Medianlohn – und der lässt deutschen und französischen Arbeitnehmern die Kinnlade herunterfallen. Zum Vergleich: Im privaten Sektor liegt der Medianverdienst in Frankreich bei gerade einmal 2.190 Euro, also mehr als doppelt so niedrig. Was in Frankreich als Ausnahmegehalt gilt, ist in der Schweiz schlicht der Normalfall.
Das Besondere daran: Dieses Lohnniveau beschränkt sich keineswegs auf Akademiker oder hochspezialisierte Fachkräfte. Die Schweiz zahlt gut – und das auch dann, wenn man keinen einzigen Abschluss in der Tasche hat. Ein paar konkrete Beispiele machen das deutlich:
- Ein Bankangestellter im Kundenkontakt verdient im Durchschnitt rund 6.100 Euro pro Monat.
- Ein Kellner sieht monatlich etwa 4.465 Euro auf seinem Konto eingehen.
- Ein Kassierer erhält im Schnitt 4.223 Schweizer Franken, was ungefähr 4.550 Euro brutto entspricht.
Zum Vergleich: In Frankreich verdient ein Kassierer durchschnittlich 2.329 Euro brutto im Monat – also deutlich weniger als die Hälfte des Schweizer Pendants.
Migros: Der Schweizer Gigant mit beeindruckenden Zusatzleistungen
Wer die Grenze zur Schweiz überquert, sucht vergeblich nach bekannten französischen Supermarktketten wie Carrefour oder Leclerc. Hier dominieren andere Namen: Coop, Manor und vor allem Migros. Letzteres Unternehmen ist laut seinem Geschäftsbericht 2024 der größte private Arbeitgeber des Landes und beschäftigt knapp 100.000 Mitarbeiter.
Bei Migros zu arbeiten bedeutet nicht nur ein attraktives Gehalt – es kommt auch ein umfangreiches Paket an Zusatzleistungen dazu:
- Betriebsrestaurant, damit die Mittagspause nicht ins Geld geht,
- Werksverkauf für Mitarbeiter,
- Günstige Mobilfunktarife, ideal für alle, die Familie jenseits der Grenze haben,
- Dreizehntes Monatsgehalt,
- Vergünstigte Fitnessstudio-Abos sowie Rabatte auf Massageangebote.
Dieses Arbeitsumfeld zieht viele an – zumal die Schweiz für ihre ausgeprägte Wertschätzung gegenüber Arbeitnehmern bekannt ist, gerade auch gegenüber jenen ohne formalen Bildungsabschluss.
An der Kasse und anderswo – ohne Diplom ist vieles möglich
Im Schweizer Einzelhandel gibt es zahlreiche Stellen, für die kein Abschluss erforderlich ist. Der Posten des Kassierers ist nur einer davon. Auch als Abteilungsleiter oder Fachverkäufer kann man einsteigen. Die Nachfrage ist das ganze Jahr über hoch: Auf spezialisierten Schweizer Jobportalen finden sich selbst gegen Ende November 2025 noch Dutzende offener Stellen allein für Kassierer.
Die Aufgaben eines Schweizer Kassierers beschränken sich dabei nicht aufs bloße Einscannen von Waren. Zur täglichen Arbeit gehören das Öffnen der Kasse, Preiskontrollen, das Melden von Lagerfehlern und die Kundenorientierung. Freundlichkeit ist also gefragt – aber mit einem Gehalt, das diese Mühe mehr als aufwiegt.
Sonntagsarbeit: Klare Rechte und spürbare Vorteile
Wer im Schweizer Einzelhandel arbeiten möchte, sollte auch das Thema Sonntagsarbeit kennen. Grundsätzlich ist Arbeit am Sonntag in der Schweiz verboten – es sei denn, es liegt eine besondere Genehmigung vor. Wer jedoch mehr als sechs Sonntage pro Jahr arbeitet, profitiert erheblich: Es gilt ein Lohnzuschlag von 50 Prozent für alle an diesem Tag geleisteten Stunden.
Noch attraktiver wird es, wenn der Arbeitstag am Sonntag mehr als fünf Stunden umfasst – in diesem Fall steht dem Arbeitnehmer ein zusätzlicher Ruhetag als Ausgleich zu. Das sind Regelungen, die man sich merken sollte.
Lohnt sich der Schritt über die Grenze wirklich?
Die Antwort fällt schwer zu verneinen. Wer bereit ist, in der Schweiz zu arbeiten, findet im Einzelhandel zahlreiche Einstiegsmöglichkeiten – ganz ohne Studium oder Berufsabschluss. Verdoppelte Gehälter, großzügige Zusatzleistungen und starke Arbeitnehmerrechte selbst für Sonntagsarbeit machen das Angebot außerordentlich attraktiv. Wer motiviert ist und den Schritt wagen möchte, dürfte in der Schweiz schnell das finden, wonach er sucht.












