Eine weit verbreitete Fantasie, die kaum jemand offen zugeben möchte
Wer sich dabei ertappt, an den Bürokollegen, den Uni-Professor oder sogar den Schwager zu denken, ist damit definitiv nicht allein. Laut einer Ifop-Studie aus dem Jahr 2023 gibt jeder dritte Franzose zu, schon einmal über eine „gesellschaftlich verbotene" Person fantasiert zu haben. Diese Fantasie ist ausgesprochen häufig – wird aber selten offen eingestanden und noch seltener in die Realität umgesetzt. Denn diese Objekte der Begierde sind vor allem eines: Symbole.
Besonders in den Sommermonaten, wenn die Gedanken am Strand oder im Zug ungehindert wandern, schleicht sich diese Art von Verbotsfantasie in die Intimsphäre vieler Paare. Das muss keineswegs eine Bedrohung darstellen – im Gegenteil: Solche Gedanken können das Begehren sogar neu entfachen. Das Tabu spielt sich nicht in Handlungen ab, sondern im Kopf. Und dort ist – zumindest gedanklich – fast alles erlaubt.
Warum Fantasien über Tabu-Personen so häufig sind – Forscher geben Antworten
Es ist ein verführerisches Paradox: Je verbotener etwas ist, desto begehrenswerter wirkt es. Genau das beschreiben verschiedene sexologische Arbeiten, darunter jene von Dr. Philippe Brenot und der amerikanischen Psychotherapeutin Esther Perel. Die Fantasie der gesellschaftlichen Übertretung wirkt als erotischer Spannungsverstärker – gerade weil sie ausschließlich außerhalb der Realität existieren kann.
Jede dieser Figuren trägt eine eigene symbolische Bedeutung:
- Ein Professor steht für Autorität, Kontrolle und intellektuelle Bewunderung.
- Ein Kollege verkörpert frustrierte Nähe, verstärkt durch soziale Grenzen und täglich gemeinsam verbrachte Zeit.
- Ein Schwager oder eine Schwägerin repräsentiert das familiäre Verbot – Begehren ohne jede Handlung.
Laut derselben Ifop-Studie haben nur 18 % der Personen mit solchen Fantasien jemals erwogen, diese in die Realität umzusetzen – und weniger als 5 % sollen dies tatsächlich getan haben. Diese Fantasien spiegeln keinen Wunsch nach Untreue wider, sondern sind eine innere Fiktion, die oft dazu genutzt wird, die eigene Paarbeziehung zu bereichern.
Diese Zahlen enthüllen eine geteilte, aber verschwiegene Intimität
Die Ifop-Studie von 2023, durchgeführt unter 2.002 repräsentativen Erwachsenen, zeichnet ein klares Bild dieser „gesellschaftlich unkorrekten" Fantasien:
- 33 % der Befragten haben bereits über eine „gesellschaftlich verbotene" Person fantasiert.
- 22 % über einen Arbeitskollegen.
- 19 % über einen Lehrer oder Professor.
- 14 % über einen Schwager oder eine Schwägerin.
- 68 % haben nie mit ihrem Partner darüber gesprochen.
- 81 % haben nie ernsthaft in Betracht gezogen, die Fantasie zu verwirklichen.
Dieses Schweigen hat nicht immer mit Scham zu tun. Häufig handelt es sich um einen privaten Raum, der vor Urteilen geschützt ist – selbst in den offensten Beziehungen. Bemerkenswert: Diese Fantasien werden von Frauen häufiger geäußert (36 %) als von Männern (30 %), eine subtile Verschiebung, die Soziologen des Begehrens aufhorchen lässt.
Von der verbotenen Fantasie zur legitimen Erregung – was erotische Geschichten verraten
Während die meisten Menschen darüber schweigen, machen erotische Plattformen daraus keinen Hehl. Auf bekannten Seiten für erotische Kurzgeschichten sowie in einschlägigen Internetforen machen Erzählungen mit Autoritätspersonen oder sozial nahestehenden Figuren – wie Vorgesetzte, Lehrer oder Familienmitglieder des Partners – mehr als 60 % der meistgelesenen Geschichten aus.
Das ist kein Zufall. Es handelt sich um eine Katharsis ohne Konsequenzen – eine Inszenierung von kontrollierter Gefahr. Die Fantasie des moralischen Verbots bietet ein stark narratives, klar codiertes und vollkommen sicheres Szenario – eben weil es rein imaginärer Natur ist. Es drückt keinen Wunsch nach realer Handlung aus, sondern eine Möglichkeit, die eigenen Grenzen aus einer sicheren Distanz heraus auszuloten.
Sexologen raten denn auch häufig dazu, diese Gedanken nicht zu unterdrücken. Sie können das Begehren in der realen Beziehung neu entfachen, indem die erotische Spannung zwar aus dem Paar herausverlagert, aber gleichzeitig wieder in dieses zurückgespielt wird.












