Vegetarisch essen senkt das Krebsrisiko um bis zu 28 % – doch diese wenig bekannte Kehrseite beunruhigt Forscher

Vegetarische Ernährung und Krebsrisiko: Was die große Studie zeigt

Könnte das, was täglich auf Ihrem Teller landet, tatsächlich einen Unterschied im Kampf gegen Krebs machen? Eine im British Journal of Cancer veröffentlichte Analyse von Forschern der Universität Oxford hat neun große Kohortenstudien aus Großbritannien, den USA, Taiwan und Indien zusammengeführt – mit insgesamt 1,8 Millionen Frauen und Männern, die über einen Zeitraum von sechzehn Jahren beobachtet wurden.

Das Forschungsteam verglich das Risiko für 17 verschiedene Krebsarten anhand von fünf Ernährungsprofilen – darunter eine vegetarische und eine vegane Ernährungsweise. Das Thema berührt unsere alltäglichen Gewohnheiten unmittelbar. Hinzu kommt: Die Internationale Agentur für Krebsforschung (IARC) stuft rotes Fleisch als „wahrscheinlich krebserregend" und verarbeitete Fleischprodukte als eindeutig krebserregend für den Menschen ein.

Fünf Krebsarten treten bei Vegetariern seltener auf – bis zu 28 % weniger

Im Vergleich zu Fleischessern wiesen Vegetarier laut den Studienergebnissen bei fünf Krebsarten ein deutlich geringeres Risiko auf. Genau hier steckt die vielzitierte Zahl von bis zu 28 % weniger Risiko. Die beobachteten Rückgänge im Überblick:

  • Nierenkrebs (− 28 %)
  • Bauchspeicheldrüsenkrebs (− 21 %)
  • Prostatakrebs (− 12 %)
  • Brustkrebs (− 9 %)
  • Multiples Myelom (− 31 %)

„Das ist eine ausgezeichnete Nachricht für Menschen, die sich vegetarisch ernähren, denn sie haben ein geringeres Risiko, fünf Krebsarten zu entwickeln, von denen einige in der Bevölkerung sehr weit verbreitet sind", erklärte Aurora Perez-Cornago gegenüber The Guardian. Die Stichprobengröße war beeindruckend: 1.645.555 Fleischesser, 57.016 Geflügelesser, 42.910 Pescetarier, 63.147 Vegetarier und 8.849 Veganer – ein solides Datenfundament, das dennoch Vorsicht bei der Deutung der Mechanismen gebietet.

Gegenläufige Signale in der Studie und mögliche Erklärungen

Nicht alle Kurven zeigen jedoch in dieselbe Richtung. Bei Vegetariern stellten die Forscher ein erhöhtes Risiko für Plattenepithelkarzinom der Speiseröhre fest (+ 93 %). Ein wichtiger Hinweis: Dieses Ergebnis basiert auf lediglich 31 Fällen unter Vegetariern, erhoben in drei britischen Studien. Die Wissenschaftler fordern weitere Untersuchungen zur Bestätigung dieses Zusammenhangs und nennen mögliche Ursachen – darunter eventuelle Mängel an Proteinen, gesättigten Fettsäuren oder Vitamin B12, die bei bestimmten vegetarischen Ernährungsweisen auftreten können.

Bei Veganern wurde ein erhöhtes Risiko für Darmkrebs beobachtet (+ 40 %). Als mögliche Erklärungen nennen die Autoren eine durchschnittlich niedrige Calciumzufuhr sowie einen geringen Konsum langkettiger Omega-3-Fettsäuren. Auch hier ist die Fallzahl begrenzt, weshalb die Ergebnisse mit Bedacht interpretiert werden sollten. Kurz gesagt: Die Studie verlagert bestimmte Risiken, ohne sie vollständig aufzuheben.

Sollte man seine Ernährung umstellen, um das Krebsrisiko zu senken?

Der allgemeine Rahmen der Studie deckt sich mit internationalen Empfehlungen: Verarbeitete Fleischprodukte gelten als krebserregend für den Menschen, rotes Fleisch als „wahrscheinlich krebserregend" – klassifiziert durch die IARC. Den Konsum von Wurstwaren und allgemein rotem Fleisch zu reduzieren, ist daher eine sinnvolle Strategie zur Risikominderung. Die im British Journal of Cancer veröffentlichten Ergebnisse deuten außerdem darauf hin, dass eine ausgewogene vegetarische Ernährung mit einem geringeren Risiko für fünf häufige Krebsarten verbunden sein kann.

Entscheidend bleibt dabei die Qualität der Ernährung. Die Autoren weisen ausdrücklich auf Warnsignale hin: Vegetarier sollten Mängel an Proteinen, gesättigten Fettsäuren und Vitamin B12 vermeiden; Veganer müssen besonders auf eine ausreichende Calcium- und Omega-3-Zufuhr achten. Das Ziel ist kein pauschales „Anti-Krebs-Versprechen", sondern ein ernährungsbezogener Kurs, der die risikoreichsten Fleischprodukte reduziert und gleichzeitig wichtige Nährstoffe sicherstellt – ohne Übermaß und ohne Mängel.

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