Diese harmlose Gartengewohnheit bedroht still die Babys einer seltenen Art

Stille Geburten, ungeahnte Gefahren

Während Sie sorglos den Rasenmäher anschieben und die Heckenschere aus dem Schuppen holen, spielt sich hoch über Ihren Köpfen ein völlig anderes Drama ab. Das Frühjahr ist die geheime Geburtszeit des Eichhörnchens – und diese kleinen Akrobaten brauchen dringend Ihren Schutz.

Von Ende Februar bis April und erneut zwischen Mai und August kommen in Gärten und Parks gleich mehrere Würfe zur Welt. In einem sorgfältig gebauten Nest, versteckt in einer Astgabel oder einer alten Baumhöhle, werden drei bis vier Jungtiere geboren – nackt, blind und vollkommen schutzlos. Diese Babys sind vollständig auf ein stabiles Nest und die ungeteilte Fürsorge ihrer Mutter angewiesen. Genau hier liegt das Problem: Unsere alltäglichsten Gartenarbeiten – ein beherzter Heckenschnitt, kräftiges Ausästen oder der ohrenbetäubende Lärm einer Kettensäge – können dieses fragile Gleichgewicht in Sekunden zerstören.

Gartenarbeit als unsichtbare Bedrohung

Ein einziger unglücklicher Schnitt in einen Lorbeerbush kann ein ganzes Nest aufreißen oder eine Eichhörnchenmutter so erschrecken, dass sie ihre Jungen panisch im Stich lässt. Doch die Gefahren im Garten beschränken sich nicht nur auf Schneidwerkzeug.

Scheinbar harmlose Objekte werden für junge Eichhörnchen schnell zur tödlichen Falle: eine mit Regenwasser gefüllte Wanne, ein Regenwasserbehälter oder ein glattrandiges Vogelbad. Fällt ein Jungtier hinein, hat es keinerlei Chance, sich selbst zu befreien. Dabei braucht es gar keine große Umstellung Ihrer Gewohnheiten, um diese Risiken erheblich zu senken. Zwei einfache Reflexe reichen aus:

  • Schauen Sie vor jedem Schnitt nach oben: Suchen Sie gezielt nach Nestern – sie sehen aus wie runde Reisigbälle, und eine Eichhörnchenmutter, die häufig ein- und ausfliegt, ist ein untrügliches Zeichen.
  • Im Zweifelsfall: Verschieben Sie laute Arbeiten oder halten Sie Maschinen von möglicherweise bewohnten Bäumen fern.

Zusätzliche Vorkehrungen für aufmerksame Gartenbesitzer

Wer noch einen Schritt weiter gehen möchte, kann seinen Garten gezielt eichhörnchenfreundlicher gestalten. Kleine Anpassungen machen einen großen Unterschied.

  • Legen Sie Futter für Eichhörnchen auf einer erhöhten Plattform oder einer Mauer ab – so wird die Fütterung nicht zur improvisierten Jagdgelegenheit für streunende Katzen aus der Nachbarschaft.
  • Statten Sie jeden offenen Wasserbehälter mit einer Ausstiegshilfe aus: ein rauer Ast, ein schräg gelegtes Brett oder ein paar aufgestapelte Steine dienen als lebensrettende Rampe für ein ins Wasser gefallenes Tier.

Trotz aller Vorsicht kann es passieren, dass Sie am Fuß eines Baumes ein winziges, noch rosa gefärbtes und reglos wirkendes Eichhörnchenbaby entdecken. Bewahren Sie Ruhe und beobachten Sie die Situation zunächst aus der Distanz. Häufig ist die Mutter dabei, ihren Wurf umzuziehen, und kehrt in Kürze zurück, um das Junge abzuholen. Ist der Fundort besonders gefährlich – etwa in der Nähe einer Straße, von Hunden oder Katzen – legen Sie das Tier behutsam in einen flachen, mit Stoff ausgekleideten Behälter, befestigen Sie diesen hoch am Baumstamm und treten Sie dann zurück.

Was tun, wenn ein Eichhörnchenbaby wirklich in Not ist?

Meldet sich die Mutter auch nach mehreren Stunden nicht, oder wirkt das Tier verletzt, kalt oder apathisch, greifen Sie bitte nicht zur Babyflasche. Das Rote Eichhörnchen ist eine geschützte Art – es ist verboten, es bei sich zu behalten oder selbst aufzuziehen.

Das Richtige zu tun ist dennoch einfach: Setzen Sie das Tier in eine gut belüftete Box an einem warmen Ort, außer Reichweite von Kindern und Haustieren. Geben Sie ihm weder Kuhmilch noch menschliche Nahrung. Kontaktieren Sie dann so schnell wie möglich eine Wildtierauffangstation oder einen Tierarzt. Genau diese besonnenen, sanften Handgriffe – zwischen zwei Rasenschnitten – geben Eichhörnchenbabys eine echte Chance, irgendwann selbst durch die Baumwipfel zu turnen. Ihre Aufmerksamkeit zählt mehr, als Sie vielleicht denken. Gerade im Frühling trägt jedes kleine Detail seinen Teil dazu bei.

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