Ein außergewöhnlicher Dinosaurierfundort in Transsilvanien
Das Hațeg-Becken in Transsilvanien galt seit Jahrzehnten als bekanntes Fossiliengebiet – doch Forscher stießen dort stets auf dasselbe Problem: Die Funde waren verstreut, beschädigt und selten. Niemand hätte erwartet, dass eine Fundstelle namens K2 dieses Bild vollständig auf den Kopf stellen würde. Wissenschaftler der Eötvös-Loránd-Universität erkannten die Bedeutung dieses Ortes bereits wenige Minuten nach Beginn der Ausgrabungen.
Es handelte sich nicht um 10 oder 50 Knochen. Auf engstem Raum wurden sage und schreibe 800 Fossilien freigelegt, die aus grauem Lehm herausragten, als wolle die Erde sie selbst an die Oberfläche drücken. Geologischen Analysen zufolge transportierten vor rund 72 Millionen Jahren reißende Flüsse Tierreste in eine kleine Lagune. Dort verlangsamte sich die Strömung, die Knochen sanken auf den Grund – und zahlreiche Überschwemmungen schufen über die Zeit hinweg diesen einzigartigen, dicht gedrängten Fossilienbestand, der Experten heute in Staunen versetzt.
Welche Dinosaurierarten wurden an diesem Fundort nachgewiesen?
Die Forscher haben bislang mindestens 17 verschiedene Arten in dieser einen Ansammlung identifiziert. Darunter dominieren zwei Typen von Pflanzenfressern: ein etwa zwei Meter langer Rhabdodont sowie ein junger Titanosaurier, dessen Skelett in mehreren zusammenhängenden Teilen erhalten geblieben ist. Es handelt sich dabei um den vollständigsten Fund eines Sauropoden, der jemals in dieser Region Europas gemacht wurde.
Doch damit nicht genug – der Fundort K2 bietet einen bemerkenswerten Querschnitt des damaligen Lebens. Entdeckt wurden auch Überreste von Schildkröten, Krokodilen mit ungewöhnlichem Gebiss, Echsen sowie frühen Säugetieren und Flugsauriern. Man stelle sich diese Landschaft vor: subtropische Wälder und Feuchtgebiete voller Leben, das durch gewaltige Naturkräfte plötzlich in der Zeit eingefroren wurde.
Warum verändert dieser Fund unser Wissen über die Region Hațeg?
Der Fundort K2 ist zum Ausgangspunkt für ein neues Verständnis der Faunaentwicklung in diesem Teil der Welt geworden. Dank seines Alters – Beginn der Maastrichtium-Stufe – können Wissenschaftler diese Tiere mit späteren Funden aus anderen Teilen des Beckens vergleichen. Diese Analyse deutet darauf hin, dass die dortige Tierwelt über Millionen von Jahren erstaunlich stabil war, was neue Erkenntnisse zur Geschichte des Artensterbens liefert.
Die Region Hațeg ist weltweit bekannt für ein faszinierendes Phänomen: den sogenannten Inselzwergwuchs. Dinosaurier wie der Titanosaurier Magyarosaurus dacus entwickelten sich in der Isolation auf einer damaligen Insel und schrumpften aufgrund begrenzter Ressourcen drastisch in ihrer Körpergröße. Jeder dieser 800 Knochen ist ein kleines Puzzleteil, das uns besser verstehen lässt, wie sich Leben an extreme Bedingungen anpasst.












