Krieg im Nahen Osten: Neue Preisspannungen im Supermarkt
Der Kassenbon entwickelt sich wieder in eine unangenehme Richtung. Der Krieg im Nahen Osten treibt Energie- und Transportkosten in die Höhe – und die gesamte Lebensmittelkette spürt das. Im Laden selbst sind die Signale noch kaum sichtbar, doch hinter den Kulissen laufen bereits intensive Preisverhandlungen.
Die Erinnerungen an 2022 und 2023 sind noch frisch: Damals hatte die Inflation infolge des Ukraine-Kriegs die Einkaufskörbe kräftig durchgeschüttelt. Das Muster wiederholt sich nun auf ähnliche Weise – teureres Öl, steigende Kraftstoffpreise, verteuerte Düngemittel, unter Druck geratene Erntemengen und schließlich angepasste Preisschilder. Experten rechnen mit einem schrittweisen Anstieg, der durch Kosten und nicht durch steigende Nachfrage angetrieben wird.
Welche Produkte könnten um 5 % teurer werden – und warum
Produkte mit kurzer Haltbarkeit geraten als Erstes in den Fokus, weil ihr Herstellungs- und Lieferzyklus Mehrkosten besonders schnell aufnimmt. „Die am stärksten betroffenen Produkte werden jene mit der schnellsten Umschlaghäufigkeit sein – mit kurzen Verfallsdaten: Milchprodukte, Joghurt, Frischeprodukte", erklärt Grégory Caret, Direktor des Verbraucherbeobachtungszentrums der UFC-Que Choisir.
Diese Anfälligkeit ergibt sich direkt aus der Geschwindigkeit, mit der Waren in Lagerhäusern und Läden erneuert werden. Steigende Energiekosten, teurere Tierfuttermittel und höhere Transportkosten schlagen sich hier nahezu in Echtzeit nieder. Die Tierhaltung steht dabei besonders unter Druck. „Für einen Haushalt, der wöchentlich 100 Euro für Lebensmittel ausgibt, bedeutet das etwa 4 bis 5 Euro mehr", so Caret. Ein Anstieg von rund 4 bis 5 % wird im Lebensmittelbereich erwartet – verteilt über einen gewissen Zeitraum.
Wie und in welchem Tempo die Preissteigerungen weitergegeben werden
Der Mechanismus funktioniert wie eine Kaskade: Öl wird teurer, die Kraftstoffpreise steigen, gasabhängige Düngemittel verteuern sich, die Erntebedingungen verschlechtern sich – und all das setzt sich entlang der gesamten Lieferkette fort. „Die landwirtschaftlichen Rohstoffpreise steigen weltweit, vor allem aufgrund explodierender Kraftstoff- und Düngemittelkosten", präzisiert Grégory Caret. Klimatische Unwägbarkeiten und unzureichende Ernten bei bestimmten Produkten wie Weizen oder Eiern verstärken den Druck zusätzlich.
Preise werden durch Jahresvereinbarungen zwischen Herstellern und Händlern geregelt, was die Weitergabe an der Kasse verzögert. „Es gibt verpflichtende Revisionsklauseln: Wenn die Kosten stark steigen, müssen die Verhandlungen neu eröffnet werden", erklärt Caret. Das erklärt auch, warum Preisrückgänge oft langsamer zurückkommen als Preiserhöhungen. „Wenn ein Preisanstieg kurzfristig unvermeidlich erscheint, hängt sein Ausmaß vor allem von der Dauer des Konflikts ab", betont er.
Einkauf anpassen – aber auf Vorräte verzichten
Für Haushalte wird es auf gezielte Anpassungen ankommen. „Die Verbraucher werden ihren Einkaufskorb umstellen und günstigere Produkte oder Eigenmarken bevorzugen müssen", rät der Experte. Mittelfristig könnten auch andere Bereiche betroffen sein – darunter Hygieneartikel, Kosmetika und Produkte mit Kunststoffanteilen, die von Kohlenwasserstoffen abhängen. Da die Handelspolitik je nach Händler unterschiedlich ist, wird der Effekt nicht überall gleich ausfallen.
Kurzfristig macht es jedoch keinen Sinn, große Vorräte anzulegen. Es handelt sich um Preisspannungen und nicht um ein Versorgungsrisiko. Da die betroffenen Produkte verderblich sind, würden Massenvorräte vor allem zu Verlusten führen. Sinnvoller ist es, die Preisentwicklung bei einigen Referenzprodukten im Blick zu behalten und flexibel bei der Markenwahl zu bleiben. Eigenmarken können den Preisschock abfedern, ohne die Gewohnheiten grundlegend zu verändern. Entscheidend wird letztlich der Ausgang des Konflikts und der Verlauf der Nachverhandlungen sein.












