Nathalie Bayes Tod: Die Lewy-Körper-Krankheit rückt in den Fokus
Die Erschütterung sitzt tief: Die französische Schauspielerin Nathalie Baye ist im Alter von 77 Jahren an der Lewy-Körper-Krankheit gestorben. Ihre Familie, darunter Tochter Laura Smet, bestätigte in einer Erklärung, dass sie an einem Freitagabend in ihrer Pariser Wohnung an dieser Erkrankung verschieden ist. Die Nachricht, die am Samstag, dem 18. April, publik wurde, traf die Öffentlichkeit völlig unerwartet – die Künstlerin hatte ihr Privatleben stets konsequent aus dem Rampenlicht herausgehalten.
Sofort stellten sich viele Menschen dieselbe Frage: Was genau ist diese Krankheit, von der kaum jemand wirklich etwas weiß? Medizinische Fachleute bezeichnen sie als die zweithäufigste neurokognitive Erkrankung nach Alzheimer. In Frankreich sind schätzungsweise 200.000 Menschen betroffen – und erschreckende 67 Prozent von ihnen erhalten keine Diagnose. Eine Krankheit, die sich im Verborgenen entwickelt und anfangs kaum zu erkennen ist.
Lewy-Körper-Krankheit: Definition, Zahlen und verwirrende Symptome
Die Lewy-Körper-Krankheit (LKK) greift gezielt jene Hirnbereiche an, die für Kognition und Bewegung zuständig sind. Auslöser sind krankhafte Ablagerungen innerhalb der Nervenzellen – die sogenannten „Lewy-Körper". Nahezu jeder Bereich des Gehirns kann davon betroffen sein, besonders häufig ist es jedoch der Kortex. Was die Diagnose erschwert: Die Erkrankung vereint Merkmale von Alzheimer und Parkinson in sich und führt schrittweise zu einem zunehmenden Verlust der Selbstständigkeit.
Besonders auffällig sind die schwankenden kognitiven Fähigkeiten der Betroffenen. Typischerweise kämpfen sie mit Problemen bei der räumlichen und visuellen Wahrnehmung. Aufmerksamkeitsstörungen, die gerade zu Beginn häufig auftreten, werden leicht mit Gedächtnisproblemen verwechselt. Betroffene haben oft Schwierigkeiten, mehrere Dinge gleichzeitig zu erledigen oder logisch zu denken. Manche starren minutenlang ins Leere, wirken schläfrig oder verbringen auffällig viel Zeit schlafend. Hinzu kommen häufige Stürze, Depressionen oder vorübergehende Bewusstlosigkeit.
Diagnose, Verlauf und Behandlung: Der aktuelle Wissensstand
Die LKK setzt meist nach dem 50. Lebensjahr ein und verbindet eine fortschreitende Demenz ähnlich wie bei Alzheimer mit motorischen Einschränkungen, wie man sie vom Parkinson-Syndrom kennt. Da die frühen Anzeichen – Schlafprobleme, Stimmungsschwankungen, Konzentrationsschwäche – leicht mit einer Depression verwechselt werden, dauert es oft lange, bis die richtige Diagnose gestellt wird. Die Erkrankung gilt laut der Vereinigung A2MCL als nicht erblich bedingt.
Eine Heilung gibt es bis heute nicht, aber verschiedene Behandlungsansätze können einzelne Symptome lindern. „Die Lebenserwartung nach der Diagnose kann zwischen 2 und 20 Jahren variieren", heißt es aus medizinischen Fachkreisen. Gegen kognitive Symptome kommen bisweilen Alzheimer-Medikamente zum Einsatz. Bei motorischen Beschwerden können Parkinson-Therapeutika wie Dopa die Beweglichkeit verbessern. Vor diesem Hintergrund unterzeichnete Nathalie Baye im Jahr 2023 einen offenen Brief an Emmanuel Macron, in dem sie sich für eine Reform des französischen Sterbehilfegesetzes aussprach.
Welche Warnsignale sollten aufhorchen lassen – und wohin soll man sich wenden?
Bestimmte Anzeichen verdienen besondere Aufmerksamkeit: ausgeprägte Aufmerksamkeits- und Wahrnehmungsprobleme, die stärker auffallen als einfaches Vergessen, früh auftretende visuelle Halluzinationen, starke Tagesschwankungen in der Wachheit, Verlangsamung der Bewegungen, Stürze, Verhaltensauffälligkeiten im REM-Schlaf sowie Depressionen oder Angstzustände. Die Erkrankung scheint Männer etwas häufiger zu betreffen als Frauen. Wer mehrere dieser Symptome bei sich oder einem Angehörigen beobachtet, sollte nicht zögern, ärztlichen Rat zu suchen.
Ein Arztbesuch ist unbedingt empfehlenswert, um die Symptome umfassend einordnen und andere Ursachen ausschließen zu können. Der Hausarzt kann dann an spezialisierte Teams überweisen, die die Behandlung individuell anpassen. Neben medikamentösen Therapien helfen auch nicht-pharmakologische Ansätze – etwa Rehabilitation, Anpassungen im häuslichen Umfeld und gezielte Unterstützung für pflegende Angehörige –, die Lebensqualität der Betroffenen so lange wie möglich zu erhalten.












