Kassenbon: Eine harmlose Gewohnheit mit Fragezeichen
Sie verlassen den Supermarkt, die Kassiererin reicht Ihnen diesen kleinen Papierstreifen. Reflexartig nimmt man ihn, faltet ihn und versenkt ihn im Einkaufsbeutel. In Frankreich ist der Druck von Kassenbons seit dem 1. August 2023 nicht mehr automatisch – man wird gefragt, ob man ihn überhaupt möchte. Diese Änderung ist alles andere als eine Kleinigkeit. Sie berührt unsere Gesundheit, unsere Entsorgungsgewohnheiten und unser Verhalten beim Einkaufen. Aber ist dieser alltägliche Griff zum Bon wirklich so unschädlich?
Vor dieser Regelung ließ Frankreich jährlich rund 30 Milliarden Kassenbons drucken – das entspricht ungefähr 150.000 Tonnen Papier. Weltweit spricht man von Hunderten von Milliarden Exemplaren. Ein riesiger, kurzlebiger Papierhaufen, der selten nützlich ist und sich kaum recyceln lässt. Der eigentliche Grund, Nein zu sagen, liegt jedoch nicht allein in dieser Verschwendung. Er steckt in der chemischen Zusammensetzung des Papiers selbst.
Thermopapier und Bisphenole: Was im Kassenbon wirklich steckt
Ein Kassenbon wird nicht mit Tinte bedruckt. Er wird auf Thermopapier gedruckt, das mit einem Entwickler beschichtet ist, der unter Wärmeeinwirkung schwarz wird. Lange Zeit übernahm diese Aufgabe Bisphenol A (BPA) – ein als endokriner Disruptor eingestufter Stoff, der in Europa seit dem 2. Januar 2020 im Rahmen der REACH-Verordnung in Thermopapier verboten ist. Die Hersteller haben ihn seither größtenteils durch Bisphenol S (BPS), manchmal auch durch Bisphenol F (BPF), ersetzt.
Verfügbare Daten zeigen, dass in Europa rund 61 % des Thermopapiers BPS enthält. Dieses Molekül, das dem BPA strukturell sehr ähnlich ist, verbleibt an der Oberfläche und wandert auf die Haut über. Schon ein zehn Sekunden langer Kontakt mit einem Kassenbon kann bestimmte regulatorische Expositionsschwellenwerte überschreiten – das belegen Arbeiten, die sich auf das Center for Environmental Health beziehen. Die Aufnahme steigt, wenn die Hände feucht, fettig oder mit Desinfektionsgel benetzt sind.
Gesundheit, Lebensmittel und Umwelt: Warum Sie den Kassenbon ablehnen sollten
Das Risiko betrifft nicht nur die Hände. Schwangere Frauen, Kinder und Kassiererinnen und Kassierer zählen zu den besonders gefährdeten Gruppen – die ersten beiden aufgrund ihrer hormonellen Entwicklung, Letztere wegen der ständig wiederholten Exposition. Besonders anschaulich ist ein konkretes Alltagsszenario: Der Kassenbon landet lose im Einkaufsbeutel, direkt neben dem feuchten Salat oder den frischen Äpfeln. Durch bloße Berührung können Bisphenole auf die Lebensmittel übergehen, die noch am selben Abend auf dem Teller landen.
Wer Nein sagt, schützt seinen Haushalt sofort vor dieser Exposition und reduziert gleichzeitig die Handhabung an der Kasse. Weniger gedruckte Bons bedeuten weniger Moleküle, die an jedem Kassenarbeitsplatz in Umlauf geraten. Der Gesetzgeber hat das übrigens anerkannt: Das Gesetz gegen Lebensmittelverschwendung und für eine Kreislaufwirtschaft hat der automatischen Ausgabe von Kassenbons ein Ende gesetzt – mit einem doppelten Ziel: Abfall reduzieren und die Bevölkerung vor gefährlichen Substanzen schützen, die auf den meisten Belegen vorhanden sind.
Muss man alle Kassenbons ablehnen? Und was sind die Alternativen?
Bei den meisten alltäglichen Einkäufen genügt es, höflich zu erklären, dass man keinen Bon braucht – Ihre Verbraucherrechte bleiben davon unberührt. Bei langlebigen oder teuren Produkten, Spesenbelegen oder Garantienachweisen sollten Sie jedoch einen Nachweis aufbewahren. Dabei empfiehlt sich ein einfaches Protokoll: minimaler Handkontakt, kein Weitergeben an Kinder, den Bon in einer separaten Hülle weit entfernt von Lebensmitteln aufbewahren, ihn sofort fotografieren oder einscannen und danach die Hände mit Seife waschen.
Es gibt längst sinnvolle Alternativen zum Papierbon: digitale Belege per E-Mail, QR-Codes an der Kasse, Treue-Apps oder Kundenbereiche online. Wer möchte, kann sogar eine eigene E-Mail-Adresse nur für Belege anlegen, um Einkäufe und Privatleben sauber zu trennen. Und wenn ein Papierbon wirklich nicht mehr gebraucht wird, sollte auch seine Entsorgung stimmen: Thermopapierbelege gehören nicht in den gelben Sack oder die Papiertonne. Sie müssen in den Restmüll, da sie sonst die gesamte Recyclingkette verunreinigen können.












