Weißwein und Johannisbeersirup gegen die asiatische Hornisse: Warum dieser Köder aufhorchen lässt
In sozialen Netzwerken kursiert derzeit ein und dieselbe Lösung gegen die asiatische Hornisse: ein selbst gemischtes Getränk, das die Lage in unseren Gärten grundlegend verändern soll. Die Rede ist von einem einfachen Hausrezept, das Gründungsköniginnen anlockt, ohne gleichzeitig Bienen zu gefährden. Klingt unkompliziert – ist es aber nicht ganz. Hinter dem Hype stecken eine klare Rezeptur, ein enger Zeitraum und eine biologische Logik, die man kennen sollte.
Das Prinzip wirkt auf den ersten Blick seltsam: Weißwein mit einem süßen Sirup kombinieren, um gezielt Vespa velutina zu fangen. Der Gedanke überzeugt dennoch, denn Zucker zieht Königinnen nach dem Winter magisch an, während der Alkohol Bienen eher abstößt. Entscheidend sind aber Dosierung, Selektivität der Falle und der richtige Aufstellungsort.
Rezept und idealer Zeitraum: Weißwein, Dunkelbier, Johannisbeersirup
Die am häufigsten von Fachleuten empfohlene Mischung besteht aus drei gleichen Teilen: je 1/3 Weißwein, 1/3 Dunkelbier und 1/3 Johannisbeersirup – rund 100 ml von jeder Zutat pro Falle. Der Zucker wirkt als Magnet, während Ethanol sowie die Aromastoffe aus Wein und Bier die Geruchsrezeptoren von Sammlerinnen verwirren. Das entscheidende Zeitfenster liegt dabei zwischen Mitte Februar und Ende Mai, wenn Gründungsköniginnen aus der Winterruhe erwachen und mit dem Nestbau beginnen.
Warum funktioniert das? Zu diesem Zeitpunkt hat die Königin einen dringenden Bedarf an Kohlenhydraten – den der Sirup sofort deckt. Bienen hingegen meiden den alkoholischen Geruch häufig, was unerwünschte Beifänge im Vergleich zu klassischen Zuckerwasserfallen deutlich reduziert. Die asiatische Hornisse bleibt von der Mischung angezogen. Die Balance stimmt.
Eine selektivere Falle bauen, ohne Bienen zu gefährden
Praktisch umgesetzt: Den Köder bei Zimmertemperatur anrühren, damit sich der Sirup gut auflöst. Dann eine Plastikflasche mit Löchern von 5 bis 6 mm Durchmesser versehen – groß genug, damit Vespa velutina hineingelangt, kleine Insekten aber wieder entkommen können. Etwa 3 bis 4 Zentimeter Flüssigkeit auf dem Flaschenboden lassen und die Falle in rund 1,50 Meter Höhe aufhängen, am besten in der Nähe eines blühenden Obstbaums oder eines Kompostbehälters.
Ein hilfreicher Trick: Eine Naturschwamm oder einige Kieselsteine in die Falle legen. Die ersten gefangenen Hornissen ertrinken nicht sofort und geben dabei Alarmpheromone ab, die weitere Tiere anlocken. Unbedingt vermeiden sollte man Köder aus Honig oder reinem Zuckerwasser – diese wirken wie ein Staubsauger für Bestäuber. Regelmäßige Pflege und das Erneuern der Mischung machen letztlich den Unterschied.
Reicht dieser Cocktail wirklich aus, um die asiatische Hornisse zu fangen?
Die Mischung aus Weißwein und Johannisbeersirup ist kein Allheilmittel – aber sie verändert die Situation spürbar, wenn sie zur richtigen Zeit und mit einer gut kalibrierten, selektiven Falle eingesetzt wird. Im Vergleich zu alkoholfreien Zuckerrezepten schont sie Bienen deutlich, da der Alkoholgeruch diese häufig fernhält. Im Frühling zieht sie vorrangig Gründungsköniginnen an, deren Fang die Nistdynamik nachhaltig beeinflusst. Alles hängt von der sorgfältigen Umsetzung ab.
Ein anschauliches Beispiel verdeutlicht das: Ein Gärtner, der mit Zuckerwasser vor allem Bienen fing, konnte nach dem Wechsel zum Alkohol-Cocktail und der Anpassung der Einstiegsöffnungen deutlich mehr Hornissen und weit weniger ungewollte Beifänge verzeichnen. Die Botschaft ist klar und direkt: Rezept, Zeitraum und Kalibrierung einhalten. Was darüber hinaus zählt, hängt von Ihrem Garten und Ihrer Konsequenz ab.












