Wandern und Schlangen: der alltägliche Schuhfehler, der sie anzieht

Wandern: Dieser Schuhfehler zieht Schlangen an

Weiche Turnschuhe, hohes Gras, strahlender Sonnenschein. Der perfekte Sommerspaziergang? Doch ein einziges Ausrüstungsdetail kann den Ausflug gefährlich werden lassen. In Frankreich wurden allein 2016 insgesamt 369 Schlangenbisse durch Landschlangen erfasst – davon 61 % durch Vipern. Fast 90 % aller Vorfälle ereignen sich zwischen April und September. Die Zahlen mögen überschaubar wirken, steigen jedoch deutlich an, sobald ein Reptil unbeabsichtigt aufgeschreckt wird. Und das passiert häufiger, als man denkt.

Schlangen fliehen vor Menschen, wenn sie diese rechtzeitig wahrnehmen – denn sie reagieren auf Bodenschwingungen. Sie sind zwar taub, aber äußerst empfindlich gegenüber Vibrationen. Die meisten Bisse entstehen, wenn das Tier auf kurze Distanz überrascht oder versehentlich getreten wird. Der beste „Alarm" sind schlicht unsere eigenen Schritte. Doch unsere Gehgewohnheiten haben sich verändert – und genau da liegt das Problem.

Ultra-weiche Sohlen: Der Fehler, der Ihre Vibrationen auslöscht

Der Trend zu stark gedämpften Turnschuhen und minimalistischen Schuhen tut den Gelenken gut – löscht aber gleichzeitig das Signal aus, das Schlangen warnt. Ultra-weiche Sohlen und ein leiser, abgefederter Schritt schlucken die Erschütterungen, sodass kaum noch seismische Wellen den Boden erreichen. Das Reptil bemerkt die Annäherung nicht und bleibt reglos liegen. Bei fast allen Vergiftungsfällen während Wanderungen hatte die Schlange schlicht keine Zeit zur Flucht. Besonders zwischen 9 und 18 Uhr, wenn Reptilien sich in der Sonne aufwärmen, steigt das Überraschungsrisiko erheblich.

Ein typisches Beispiel: Eine Fotografin schleicht sich in leichten Schuhen auf Zehenspitzen an, um einen Grünspecht nicht zu verscheuchen. Im Gras ruht eine Aspisviper beim Thermoregulieren. Ein Schatten, dann ein Fuß wenige Zentimeter entfernt – Abwehrreflex, Biss. Ein normaler, fester Schritt hätte Vibrationen erzeugt und dem Tier die Möglichkeit gegeben, rechtzeitig zu entkommen.

Schuhe und Gangart: Was Experten empfehlen

Setzen Sie auf echtes Wanderschuhwerk: am besten geschlossene, knöchelhohe Schuhe in Kombination mit einer langen Hose, die den Knöchel bedeckt. Eine steife Sohle (etwa vom Typ Vibram) erfüllt dabei eine Doppelfunktion – sie schützt mechanisch und überträgt gleichzeitig den Aufprall besser auf den Untergrund. Sandalen, Flip-Flops, Espadrilles oder dünne Stadtschuhe haben in Viperngebieten nichts zu suchen. Sie lassen den Fußrücken schutzlos und machen Ihre Schritte für den Boden „unhörbar".

Bei der Gangart müssen Sie nichts erzwingen. Lassen Sie die Ferse ganz natürlich aufsetzen, ohne krampfhaft abzufedern – diese betonten Schritte genügen, um den Boden spürbar zum Schwingen zu bringen. Ein Wanderstock hilft zusätzlich, Ihre Ankunft anzukündigen – besonders vor Mauern, Steinhaufen oder hohem Gras. Wer Tiere beobachten möchte, kann einen einfachen Trick anwenden: einige Meter fest auftreten, dann völlig stillstehen und in Ruhe schauen. Sicherheit von unten, Stille nach oben.

Wann und wo steigt das Risiko wirklich?

Begegnungen häufen sich vom Frühling bis zum Spätsommer, wenn Reptilien aus der Winterstarre erwachen und sich auf sonnigen Flächen aufwärmen. Bisse sind überwiegend Abwehrreaktionen und treffen meist Fuß oder Knöchel. Besondere Vorsicht ist geboten an buschigen Waldrändern, Trockensteinmauern, aufgeheizten Felsen, Böschungen sowie an Teich- und Flussufern. Wer auf Wegen bleibt, auf seinen Tritt achtet und vor einem Hindernis leicht aufstampft, reduziert das Risiko bereits erheblich.

Sollte es doch zu einem Biss kommen, bewahren Sie Ruhe. Entfernen Sie sich von der Schlange, legen Sie die betroffene Person hin und rufen Sie 112 oder den Notruf. Ringe und enge Schuhe am gebissenen Glied entfernen, die Wunde wenn möglich mit Wasser und Seife reinigen, das Glied ruhigstellen und hochlagern. Kein Aspirin, keine Entzündungshemmer – bei Schmerzen nur Paracetamol. Kein Tourniquet, kein Einschneiden, kein Alkohol, kein Kaffee. Der beste Schutz bleibt jedoch nach wie vor die richtige Ausrüstung kombiniert mit der richtigen Gangart.

Author

Nach oben scrollen