Vallauris-Vase Wert: Warum dieser „alte Vase" auf dem Flohmarkt Kenner aufhorchen lässt
Sonntag, auf dem Trödelmarkt: Ein kleiner, schwerer Vase mit braunorangenen Laufspuren liegt mit einem 5-€-Schild da. Die meisten gehen einfach vorbei. Erfahrene Schnäppchenjäger hingegen bleiben stehen. Kein Zufall – denn das Interesse an handgefertigter Atelierkeramik wächst stetig, und hinter einem scheinbar banalen Stück kann eine echte Wertgeschichte stecken.
Besonders begehrt sind Stücke aus den 1950er bis 1970er Jahren: Steinzeug aus Vallauris mit ausdrucksstarkem Relief und Fat-Lava-Vasen mit fließenden Glasuren. Ihren Reiz verdanken sie einer Materialität, die die Industrie kaum imitieren kann. Man nimmt sie in die Hand, dreht sie, inspiziert die Glasuroberfläche. Genau hier verschaffen sich Kenner ihren Vorteil.
Vallauris und Fat Lava: Die Keramikfamilien mit überraschend hohem Wert
Vallauris ist keine Marke, sondern eine Stadt in den Alpes-Maritimes. Die Blütezeit zwischen 1950 und 1970 wurde durch Picasso und Werkstätten wie Madoura geprägt. Künstler wie Roger Capron und Jean Derval schufen dort begehrte Stücke. Ein touristisches Andenken mit Aufschrift „Vallauris" bringt kaum etwas – eine schöne Atelierarbeit hingegen kann schnell mehrere Hundert, manchmal sogar Tausende Euro erzielen. Einzelne Werke Picassos übersteigen 100.000 €.
Eine weitere, oft unterschätzte Kategorie sind westdeutsche Fat-Lava-Vasen. Ein typisches Beispiel: ein „vulkanischer" Vase, für 2 € erstanden und dank einer Bodenmarkierung „West Germany" sicher identifiziert. Diese Töpfereien aus den 1950er bis 1970er Jahren teilen mit Vallauris-Stücken die kraterartigen Glasuren, die Orange-Braun-Kontraste und einen steigenden Sammlerwert. Manchmal reicht eine Formnummer oder ein Stempel, um die Schätzung komplett zu verändern.
Der 30-Sekunden-Check auf dem Flohmarkt: So prüft man einen Vallauris-Vase
Erfahrene Sammler arbeiten am Stand mit einem schnellen Bewertungsprotokoll. Vier Handgriffe genügen.
- Gewichtstest: Echte Kunstkeramik ist dicht und schwer – moderne Abgüsse fühlen sich leicht an.
- Boden: Auf eingravierte Signatur, Stempel oder Formnummer achten.
- Ränder: Mit dem Fingernagel entlangfahren und auf kaschierte Absplitterungen prüfen.
- Klang: Hell und klar klingend bedeutet intakt – dumpf und matt weist auf einen Riss hin.
Dass diese Methoden funktionieren, liegt daran, dass die damaligen Glasuren oft reich an Metalloxiden waren und Texturen erzeugen, die sich industriell kaum reproduzieren lassen. Eine alte Glasur erkennt man an ihrer Tiefe und der Art, wie der Glasurfluss über die Kante läuft. Dennoch gilt immer: Der Zustand entscheidet. Ein sichtbarer Abplatzer oder ein innerer Riss kann den Wert halbieren – manchmal mehr. Wer sich die Zeit zum Prüfen nimmt, wird belohnt.
Was ist ein Vallauris-Vase auf dem Flohmarkt wirklich wert?
Eine schnelle Orientierungsskala für den Wert eines Vallauris-Vases auf dem Trödelmarkt:
- Touristisches Souvenir mit Aufschrift „Vallauris": 5 bis 30 €
- Gute Atelierarbeit mit schöner Glasurqualität oder Ateliermarke, etwa Madoura oder Massier: 80 bis 250 €
- Bekannter Künstler wie Roger Capron oder Jean Derval: einige Hundert bis mehrere Tausend Euro
- Picasso zugeordnete Stücke: Mehrere Tausend Euro, teils weit über 100.000 €
Zustand, Größe und Dekor sind dabei genauso ausschlaggebend wie der Name. Zur Überprüfung empfiehlt es sich, das Stück zu fotografieren und ähnliche Modelle auf Vergleichsplattformen zu suchen. Dabei auf Signatur oder Nummer auf der Unterseite achten und tatsächlich abgeschlossene Verkäufe auswerten. Bei bedeutenden Signaturen oder Unsicherheiten lohnt der Gang zu einem Auktionshaus mit Schwerpunkt auf dekorativem Kunsthandwerk des 20. Jahrhunderts. Ruhe, Methode und ein schneller Gegencheck machen auf dem Flohmarkt den entscheidenden Unterschied.












