Asiatische Hornissen: Warum sie sich immer stärker in unseren Gärten ausbreiten
Jeden Sommer taucht die asiatische Hornisse verstärkt in der Nähe von Häusern und Bienenstöcken auf. Die Art gelangte um 2004 nach Frankreich und steht seit 2016 auf der europäischen Liste der invasiven gebietsfremden Arten. Ein einziges Nest kann jährlich mehr als 11 kg Insekten vertilgen – darunter rund 40 % Bienen, was den Bestäubungsprozess erheblich unter Druck setzt.
Viele Menschen suchen nach einer einfachen, kostenlosen Alternative zu chemischen Fallen. Die gute Nachricht: Die Natur hält bereits einen wirkungsvollen Verbündeten bereit. Er kommt mit den warmen Monaten, verschwindet nach dem Sommer wieder und hat es gezielt auf genau jene Insekten abgesehen, die uns stören. Er jagt – für uns.
Der Vogel, der asiatische Hornissen frisst: der Bienenfresser
Die Identität dieses natürlichen Helfers lüftet sich schnell: Es handelt sich um den Bienenfresser (Merops apiaster). Dieser farbenprächtige Zugvogel sitzt häufig auf Drähten oder freistehendem Astwerk und fällt durch sein lebhaftes Gefieder sofort auf. Laut ornithologischen Fachquellen besteht seine Nahrung überwiegend aus Hautflüglern. Ein einzelnes Tier kann täglich 70 bis 80 Hautflügler erbeuten – Wespen, Hummeln, Bienen und selbstverständlich auch Hornissen, darunter Vespa velutina.
Der Bienenfresser ist von Mitte Mai bis Ende August bei uns anzutreffen – genau dann, wenn die Aktivität der Hornissennester ihren Höhepunkt erreicht. Seine Jagdtechnik ist dabei bemerkenswert präzise: Er erspäht das Insekt im Flug, packt es mit seinem langen, gebogenen Schnabel und fliegt zu einem Sitzast. Dort betäubt er die Beute durch wiederholtes Aufschlagen, reibt sie ab, um Stachel und Gift zu entfernen, und verschluckt sie schließlich. Dieses ausgeklügelte Verfahren schützt ihn selbst vor Stichen – auch bei ausgewachsenen Hornissen.
Den Bienenfresser in den Garten locken: so geht es ganz einfach
Am wirkungsvollsten ist es, vor der Ankunft der Vögel ein einladendes Umfeld zu schaffen – ohne Chemie und ohne unnötige Hindernisse. Drei einfache Maßnahmen reichen aus, um diesen kostenlosen Naturdienst ab Saisonmitte in Gang zu bringen.
- Insektizide weglassen: Der Einsatz chemischer Mittel zerstört die Nahrungskette. Ohne ausreichend Beute gibt es keine Bienenfresser – und damit keine natürliche Regulierung.
- Erhöhte Ansitzplätze erhalten: Antennen, gespannte Wäscheleinen, Baumkronen oder ein alter Totholzbaum dienen als ideale Jagdwarten.
- Sandige Böschungen schützen: Unebene, sandige Hänge ohne Planierung bieten den Vögeln geeignete Brutplätze, in denen sie ihre charakteristischen Brutröhren graben.
Eine breite, flache Wasserstelle – etwa eine Tonschale – in einer übersichtlichen Gartenzone kann ebenfalls helfen: Der Bienenfresser trinkt im Tiefflug knapp über der Wasseroberfläche. Ein anschauliches Beispiel aus der Praxis zeigt, wie effektiv das sein kann: Ein Gartenbesitzer ließ einfach einen alten toten Baum am Grundstücksrand stehen. Ein Bienenfresserpaar nutzte ihn den gesamten Sommer als Ausguck – mit deutlich spürbarem Rückgang des Hornissendrucks rund um die Terrasse.
Bienenfresser und Bienenstöcke: Verbündeter, Grenzen und sinnvolle Maßnahmen
Der Bienenfresser nimmt zwar auch Honigbienen, doch naturkundliche Daten zeigen, dass sein Gesamteinfluss auf die Lebensfähigkeit von Bienenvölkern gering bleibt. Sein Speiseplan ist vielfältig und umfasst zahlreiche Bienenräuber wie Hornissen und Wespen. Imker berichten häufig, dass der Flugangriffsdruck auf ihre Völker in Bienenfressernähe spürbar nachlässt – besonders in Zeiten intensiver Hornissenattacken.
Ein wichtiger Hinweis: Dieser Fressfeind bleibt opportunistisch und saisonal gebunden. Er mindert die lokale Belästigung, eliminiert die Art jedoch nicht großräumig. Siedelt sich ein Nest in der Nähe eines Wohngebäudes oder eines Bienenstandes an, sollte unbedingt ein ausgebildeter Fachmann hinzugezogen werden. Wer diesen Schritt mit einem insektizidfreien Garten und zugänglichen Ansitzplätzen kombiniert, schafft die besten Voraussetzungen dafür, dass Bienenfresser die Arbeit übernehmen – kostenlos, den ganzen Sommer lang.












