Müdigkeit oder Krankheit? Onkologen nennen 3 Warnsignale, die man nie ignorieren sollte

Warnsignale bei Erschöpfung nach 50: Was Onkologen beunruhigt

Eine Schlappheit, die einfach nicht verschwindet, kaum Appetit, Kleidung die plötzlich zu weit sitzt – nach dem 50. Geburtstag schiebt man solche Beschwerden schnell auf den Winter, die Wechseljahre oder den Alltagsstress. Doch die Zahlen sprechen eine andere Sprache: Fast zwei Drittel aller Krebsneuerkrankungen treten nach dem 65. Lebensjahr auf, ein weiteres Drittel sogar erst nach dem 75. Das Alter verändert schlicht die Wahrscheinlichkeiten. Was wie eine anhaltende Erschöpfung wirkt, kann mitunter auf eine still fortschreitende Erkrankung hinweisen.

Medizinische Fachleute betonen einen entscheidenden Unterschied: eine vorübergehende Schwächephase einerseits und eine Erschöpfung, die sich dauerhaft festsetzt, andererseits. Im ersten Fall hilft Ruhe, gute und schlechte Tage wechseln sich ab. Im zweiten Fall hängt die Müdigkeit wie Blei an den Gliedern, selbst einfachste Alltagshandlungen werden zur Anstrengung. Drei konkrete Zeichen sollten dabei unbedingt ernst genommen werden.

Anhaltende Müdigkeit nach 50: Wann wird es kritisch?

Natürlich schläft man im Winter etwas mehr, und hormonelle Schwankungen können den Schlaf stören. Gelegentliche Erschöpfung und ruhigere Tage sind daher völlig normal. Die Alarmzone beginnt jedoch dann, wenn die Müdigkeit über mehrere Wochen andauert, sich durch Schlaf nicht bessert und von weiteren körperlichen Veränderungen begleitet wird. Genau hier sprechen Onkologiespezialisten sowie das französische Nationale Krebsinstitut (INCa) von Signalen, die medizinisch abgeklärt werden müssen.

„Es gibt drei A, auf die man achten sollte: Asthenie – also Erschöpfung, Anorexie – also mangelndes Hungergefühl, und Abmagerung. Treten alle drei gleichzeitig auf, sollte man einen Arzt aufsuchen. Es kann sich um etwas Harmloses handeln, aber es kann auch ein erstes Zeichen von Krebs sein", erklärten befragte Mediziner gegenüber dem Gesundheitsportal Allodocteurs.

Asthenie, Anorexie, Abmagerung: Die 3 Zeichen, die niemand übergehen sollte

Was steckt konkret hinter diesen drei A?

  • Asthenie: Dauerhafte Erschöpfung, die selbst morgens nach dem Aufwachen bereits vorhanden ist.
  • Anorexie: Anhaltender Appetitverlust, ausgelassene Mahlzeiten ohne erkennbaren Grund.
  • Ungewollter Gewichtsverlust: Abnehmende Kilos, ohne dass man Diät hält.

„Ein Gewichtsverlust von mehr als 5 Prozent des Körpergewichts innerhalb von weniger als zwölf Monaten gilt als klinisch bedeutsam. Dieses Symptom kann viele Ursachen haben: eine chronische Erkrankung wie Herz-, Lungen- oder Niereninsuffizienz, eine endokrine Störung wie eine Schilddrüsenüberfunktion, eine Verdauungserkrankung mit Malabsorption oder auch eine psychische Erkrankung wie Depressionen", erläuterte Prof. Éric Boulanger im Magazin Marie France. „Deshalb darf dieses Symptom niemals auf die leichte Schulter genommen werden." Krebs gehört dabei zu den Ursachen, die vorrangig ausgeschlossen werden müssen.

Was tun, wenn diese Zeichen nach 50 auftreten?

Zunächst gilt: nüchtern beobachten, ohne in Panik zu verfallen. Führen Sie sieben Tage lang ein Erschöpfungstagebuch mit einer Einschätzung morgens und abends. Gönnen Sie sich anschließend ein 48-stündiges „Ruhe-Wochenende" mit maximalem Erholungsschlaf. Fühlen Sie sich am Montag genauso erschöpft wie zuvor, handelt es sich wahrscheinlich nicht um gewöhnliche Überlastung. Vereinbaren Sie dann einen Arzttermin und beschreiben Sie die Müdigkeit ausdrücklich als „ungewöhnlich und einschränkend". Ihr Arzt kann eine klinische Untersuchung vornehmen, ein umfassendes Blutbild anordnen – einschließlich Blutbild, Serumeisen, Ferritin, CRP und TSH – und bei Bedarf bildgebende Verfahren veranlassen.

Bei Menschen über 60, bei denen Asthenie, Anorexie und Gewichtsverlust über mehrere Wochen zusammentreffen – manchmal ergänzt durch Nachtschweiß, Fieber, anhaltenden Husten, Schmerzen oder Blut im Stuhl oder Urin – ist eine zeitnahe Konsultation dringend angeraten. Auch das Umfeld spielt eine wichtige Rolle: Energie im Alltag beobachten, auf zurückgestellte volle Teller achten und einmal im Monat wiegen hilft dabei, schleichende Veränderungen rechtzeitig zu erkennen. Viele Betroffene schweigen über ihre Beschwerden, um niemanden zu belasten. Doch wie Vincent Ollivier treffend formulierte: „Älter werden bedeutet nicht, dass Heilung ausgeschlossen ist."

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