Ein Fund, der alles verändert
Archäologen des Franziskanerklostermuseums in Tolisa haben aus den trüben Tiefen der Save eine Rekordserie eiserner Barren geborgen, die mehr als zwei Jahrtausende lang im Flusssediment ruhten. Diese Entdeckung, die an der Schwelle zwischen der Latènezeit und der römischen Epoche datiert wird, stellt unser gesamtes Wissen über antike Handelswege auf dem Balkan auf den Kopf.
Was verbarg der Fluss all die Jahrhunderte?
Bei den geborgenen Objekten handelt es sich um sogenannte doppelpyramidale Barren – charakteristisch geformte Metallblöcke, die aussehen wie zwei an ihrer Basis zusammengefügte Pyramiden. Im 1. und 2. Jahrhundert v. Chr. dienten sie als universeller Rohstoff und eine Art „Zahlungsmittel", das Schmiede einschmelzen konnten, um daraus Werkzeuge oder Waffen herzustellen.
Was diesen Fund so außergewöhnlich macht, ist vor allem sein schier unglaubliches Ausmaß:
- Im benachbarten Kroatien wurde bislang lediglich ein einziges Exemplar dieser Art gefunden.
- Slowenien kann gerade einmal wenige Stücke vorweisen.
- Das bosnische Depot umfasst hingegen dutzende Stücke – und stellt sich damit in eine Reihe mit den großen Funden aus Frankreich und Deutschland.
Seien wir ehrlich: Niemand hatte in dieser Region ein so gewaltiges metallurgisches Arsenal erwartet. Wissenschaftler unterschätzten die Rolle der Posavina im Welthandel der Antike jahrelang. Mit diesem Fund müssen die Lehrbücher nun neu geschrieben werden.
- 💡 [Unterwasserarchäologe]: Die Konservierung von aus dem Wasser geborgenem Eisen ist ein echter Wettlauf gegen die Zeit. Das Metall muss sofort in destilliertes Wasser gelegt werden, um eine rasche Oxidation durch den Luftsauerstoff zu verhindern – andernfalls könnten die unschätzbaren Artefakte innerhalb weniger Tage zerstört werden.
Vom Hobby-Entdecker zur bahnbrechenden Sensation
Alles begann mit einem Heimatgeschichte-Enthusiasten namens Pedro Matkić. Er war der Erste, der die ungewöhnlichen Formen im Fluss bemerkte und Fotos an Experten weiterleitete. Sobald der Wasserstand der Save tief genug gesunken war, rückte ein Team von Fachleuten an.
Der Bergungsprozess verlief mit höchster Präzision:
- Feste Referenzpunkte auf dem Flussbett wurden vermessen und dokumentiert.
- Eine fotogrammetrische Aufnahme wurde erstellt, um ein detailliertes 3D-Modell des Geländes zu erzeugen.
- Jeder einzelne Barren wurde nummeriert und in speziellen Behältern gesichert.
Kurzum: Dies war kein gewöhnlicher Schatzsucher-Ausflug, sondern eine hochkomplexe logistische Operation. Nun planen die Wissenschaftler eine chemische Analyse des Metalls, die klären soll, aus welcher Mine das Erz stammt – und ob der Balkan tatsächlich als Handelsbrücke zwischen Europa, Nordafrika und dem Nahen Osten fungierte.
Warum dieser Fund für die Wissenschaft so bedeutend ist
Die Untersuchung der Barren könnte die Existenz längst vergessener Handelswege endgültig beweisen. Die rohstoffreiche Region könnte in der vorröm ischen Wirtschaft Europas eine weit größere Rolle gespielt haben, als bisher angenommen. Spezialisten aus Deutschland, Frankreich und Österreich sind bereits an den Analysen beteiligt, da Kosten und Komplexität der Untersuchungen die Kapazitäten lokaler Einrichtungen bei Weitem übersteigen.












