„Ich hatte noch nie so viel Angst“: Was tun, wenn eine Schlange bei Ihnen auftaucht?

Kaltblütige Eindringlinge im Garten: Wer steckt dahinter?

Wer dachte, er sei der alleinige Herr über sein Gemüsebeet, irrt sich gewaltig. Sobald die wärmere Jahreszeit Einzug hält, erwachen Reptilien aus ihrer Winterstarre und sonnen sich genüsslich zwischen Ihren Rosensträuchern. Allein im Thouarsais, einer Region im Département Deux-Sèvres, teilen sich nicht weniger als fünf Schlangenarten dasselbe Revier. Laut Sandra Cerclet, Naturschutzbeauftragte des Vallée du Pressoir, handelt es sich dabei um folgende Arten:

  • Die Grün-Gelbe Zornnatter
  • Die Äskulapnatter
  • Die Ringelnatter
  • Die Würfelnatter
  • Die Aspisviper

Einige dieser Schuppentiere haben sich im neu eingerichteten regionalen Naturschutzgebiet von Thouars angesiedelt. Dennoch begegnet man ihnen gelegentlich auch in ganz gewöhnlichen Gärten – besonders gerne in der Nähe des Kompostbehälters.

Schlangen und ihr schlechter Ruf: Ein Missverständnis

Schlangen gehören nicht gerade zu den beliebtesten Tieren in unseren Breiten. Aus Unwissenheit oder schlichter Angst werden sie schnell als gefährlich und bedrohlich abgestempelt. Doch das ist weit übertrieben. Sandra Cerclet stellt klar: „Der erste Verteidigungsmechanismus einer Schlange ist die Flucht. Sie haben Angst vor Menschen." Begegnet Ihnen also eine Schlange, sucht sie in erster Linie den schnellsten Weg davon.

Ein Blick auf die bemerkenswerten Überlebensstrategien der einzelnen Arten zeigt, wie harmlos ihr Verhalten tatsächlich ist:

  • Grün-Gelbe Zornnatter: Mit einer Länge von bis zu 1,80 Metern beeindruckend groß, aber dennoch so scheu, dass sie lieber das Weite sucht, als irgendjemanden zu erschrecken.
  • Ringelnatter: Leicht an ihrem weißen Halsband erkennbar, spielt sie im Ernstfall überzeugend tot – bewegungslos, Kopf schlaff herabhängend, manchmal sogar kombiniert mit einem unangenehmen Geruch für zusätzliche Dramatik. Wenn das nicht hilft, ergreift sie einfach die Flucht.
  • Würfelnatter: Ebenfalls eine begabte Schauspielerin: Sie bläht ihren Kopf auf, um eine Viper zu imitieren und Feinde einzuschüchtern. Auch dieser Trick hat jedoch ein Ablaufdatum – am Ende siegt stets der Rückzug.

Egal welche Art – das letzte Mittel bleibt immer die Flucht. Schlangen sind weder feindselig noch angriffslustig. Sie sind zwar Raubtiere, wissen aber gleichzeitig, dass sie selbst zur Beute anderer Tiere werden können. Im Angesicht einer Bedrohung bevorzugen sie es, ihre Schuppen heil zu lassen, anstatt einen Konflikt zu riskieren.

Vipern, Gift und die Realität: Was wirklich gefährlich ist

Schon das bloße Wort „Viper" lässt manchen Menschen das Blut in den Adern gefrieren – doch Entwarnung ist angebracht. Die Aspisviper, die einzige giftige Art in der Region, ist selten und von Natur aus ebenfalls äußerst scheu. Obwohl sie über Giftdrüsen verfügt, beißt sie nur im absoluten Ausnahmefall, wenn sie sich in einer wirklich ausweglosen Situation befindet.

Noch beruhigender: Jeder zweite Biss einer Aspisviper gilt als „trockener Biss", also ohne Giftinjektion. Der Grund dafür ist schlicht und einleuchtend – die Produktion von Gift kostet das Tier enorm viel Energie. Die Schlange entscheidet daher bewusst, ob sie ihr Gift einsetzt oder nicht. Sandra Cerclet betont außerdem, dass im Durchschnitt weniger als ein Todesfall pro Jahr auf eine Schlange zurückzuführen ist.

Richtig reagieren, wenn die Schlange aus dem Gebüsch kommt

Unterbricht eine Schlange plötzlich Ihre Gartenarbeit, ist Besonnenheit gefragt. Die Vorgehensweise ist denkbar einfach:

  • Fassen Sie das Tier niemals an und versuchen Sie nicht, es aufzuhalten oder zu verscheuchen.
  • Beobachten Sie die Schlange aus sicherem Abstand – das ist erlaubt und für Neugierige sogar empfehlenswert. Ein Foto zu machen ist ebenfalls gestattet.

Ein wichtiger rechtlicher Hinweis: In Frankreich stehen alle Reptilien- und Schlangenarten unter strengem Schutz. Es ist daher verboten, sie zu töten oder willkürlich zu fangen. Darüber hinaus ist das Vorkommen von Schlangen im Garten ein positives Zeichen – es deutet auf ein gesundes, intaktes Ökosystem hin.

Wer nach einer solchen Begegnung noch Fragen hat, zittrige Hände oder schlicht den Drang verspürt, seine Beobachtung zu melden, kann sich an den SOS-Schlangenservice von Deux-Sèvres Nature Environnement wenden oder den Biodiversitätsdienst der Gemeinschaft der Kommunen des Thouarsais kontaktieren. Das Fazit lautet: Weder in Panik verfallen noch zur Schaufel greifen. Betrachten Sie den ungebetenen Gartenbesucher lieber als das, was er wirklich ist – ein lebendiger Beweis dafür, dass die Natur bei Ihnen zu Hause noch in vollem Gange ist. Und ganz unter uns: Dieser überraschende Gast ist mit ziemlicher Sicherheit noch viel erschrockener als Sie.

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