Gigantische römische Thermen entdeckt! Archäologen legten luxuriöses „Spa“ von vor 1600 Jahren frei

Ein Schatz, der alle Erwartungen übertraf

Der Boden im italienischen Fiumana hat ein Geheimnis preisgegeben, dessen Ausmaß selbst erfahrene Forscher sprachlos zurückließ. Archäologen stießen auf einen gewaltigen Thermalkomplex, der römischen Eliten über fünf Jahrhunderte hinweg als opulentes Zentrum für Erholung und politische Machtspiele diente.

Dieser Fund ist alles andere als gewöhnlich. Die vierte Ausgrabungskampagne in der Villa di Fiumana (Provinz Forlì-Cesena), die 2025 abgeschlossen wurde, brachte eine Anlage von über 50 Metern Länge ans Licht. Unter der Leitung von Professor Riccardo Villicich von der Universität Parma rekonstruierte das Forschungsteam einen monumentalen Gebäudekomplex, der unser Bild der spätkaiserlichen Architektur grundlegend verändert.

Ein architektonisches Palimpsest: 500 Jahre im Wandel

Was in Fiumana besonders ins Auge sticht, ist die Tatsache, dass dieses Gebäude über ein halbes Jahrtausend hinweg lebte, wuchs und sich verwandelte. Die Wissenschaftler identifizierten insgesamt vier entscheidende Bauphasen:

  • Augusteische Zeit: Die ersten Fundamente der ursprünglichen Villa entstanden.
  • Mittlere Kaiserzeit: Ein erster großer Umbau und eine erhebliche Erweiterung des Gebäudes folgten.
  • 3. Jahrhundert n. Chr.: Eine umfassende Umgestaltung stellte die Thermalfunktionen wieder her.
  • 5. Jahrhundert n. Chr.: Die Villa wurde in ein luxuriöses Palatium verwandelt, das wahrscheinlich mit dem kaiserlichen Hof in Ravenna in Verbindung stand.

Der Standort hatte dabei außergewöhnliches Glück. Natürliche Wasserquellen dürften hier vorhanden gewesen sein, was den Thermen ihr langes Überleben sicherte — obwohl Plünderer im 5. Jahrhundert die wertvollen Marmorböden nahezu vollständig entfernten.

Ein Zeichen kaiserlichen Reichtums

Die Verwendung exotischer Marmore aus Ägypten, Asien und Afrika an einem Ort so weit entfernt von Rom zeugt von unvorstellbarem Wohlstand. Solche imperialen Logistiken waren nachweislich dem engsten Umfeld des Kaisers vorbehalten — was Fiumana zu einem der bedeutendsten Fundorte der spätantiken italischen Halbinsel macht.

Schätze in den Ruinen: Münzen und das „steinerne Kleeblatt"

Die Ausgrabungen förderten weit mehr als bloße Mauern zutage. Archäologen stießen auf einen verlorenen Geldbeutel mit rund 30 Münzen, von denen die jüngsten aus der Regierungszeit von Kaiser Valentinian III. (425–455 n. Chr.) stammen. Vermutlich ließ ihn ein Arbeiter während Renovierungsarbeiten fallen. Dieser Fund ermöglichte eine präzise Datierung der letzten Glanzperiode des Komplexes.

Die Anlage beeindruckt darüber hinaus durch außergewöhnliche architektonische Lösungen:

  • Quadrifoglio di pietra: Eine rätselhafte Struktur in Form eines vierblättrigen Kleeblatts, deren genaue Funktion die Forscher bis heute beschäftigt.
  • Apsidensäle: Halbkreisförmig abgeschlossene Räume, die als luxuriöse Ruhebereiche genutzt wurden.
  • Heiße Saalbadfolge: Ein präzise durchdachtes, nach Norden ausgerichtetes Heizsystem.
  • Nekropole: Die Entdeckung von drei Gräbern — darunter zwei Kindergräber — deutet darauf hin, dass der Ort in späterer Zeit auch rituelle Bedeutung erlangte.

Wie geht es mit dem römischen Palast weiter?

Die Pläne für die Zukunft sind ehrgeizig. Die fünfte Ausgrabungskampagne soll die vollständige Freilegung der Palastthermen zum Ziel haben. Die zuständigen Behörden streben an, Fiumana in ein offenes Museum zu verwandeln. Es ist eine seltene Chance zu erleben, wie sich römischer Luxus von den Zeiten des Augustus bis zum Untergang des weströmischen Reiches entfaltet und verändert hat.

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