Der Schreckenswolf kehrt zurück? Geburt genetischer Kopien löst Staunen und Skepsis aus

Eine Legende wird im Labor geboren

Die Biotechnologie hat soeben etwas vollbracht, das lange als undenkbar galt: Die Merkmale eines Tieres, das vor Tausenden von Jahren von der Erde verschwand, sind zurückgebracht worden. Drei junge Wölfe mit verändertem Erbgut haben den vielleicht heftigsten Konflikt in der modernen Wissenschaft seit Jahrzehnten ausgelöst.

Ein Science-Fiction-Szenario wird Wirklichkeit

Das amerikanische Unternehmen Colossal Biosciences aus Dallas verkündete einen Erfolg, der wie das Drehbuch eines Zukunftsfilms klingt. Geningenieure züchteten einen Wurf Grauwölfe, deren 14 gezielt veränderte Gene sie optisch und physisch an den vor rund 10.000 Jahren ausgestorbenen Schreckenswolf (Canis dirus) annähern sollen.

Um es klar zu sagen: Es handelt sich noch nicht um eine vollständige Wiederbelebung der Art. Vielmehr ist es eine visuelle und körperliche Rekonstruktion dieser eiszeitlichen Bestie. Die Tiere weisen folgende Merkmale auf:

  • Ein besonders dichtes, kälteresistentes Fell.
  • Eine deutlich kräftigere Muskulatur als bei heutigen Verwandten.
  • Eine erhöhte Widerstandsfähigkeit gegenüber extremen Umweltbedingungen.

Große Debatte in Abu Dhabi: Die Ethik auf dem Prüfstand

Diese Entwicklung zwang Expertinnen und Experten beim Kongress der Weltnaturschutzunion (IUCN) in Abu Dhabi zu einer dringlichen Reaktion. Fachleute aus aller Welt standen vor einer zentralen Frage: Rettet das Eingreifen in die Natur unseren Planeten – oder ebnet es den Weg zur ökologischen Katastrophe?

Die wissenschaftliche Gemeinschaft ist tief gespalten. Fortschrittsbefürworter stehen Hütern der natürlichen Ordnung gegenüber. Das Ergebnis der historischen Abstimmung über Antrag 87 zur Politik der synthetischen Biologie verdeutlicht die Schärfe des Konflikts:

  • 88 Prozent der Delegierten sprachen sich für eine individuelle Bewertung jedes einzelnen Falls genetischer Veränderungen aus.
  • Ein vollständiges Moratorium für die Freisetzung solcher Organismen in die Natur wurde abgelehnt.
  • Man einigte sich darauf, dass die Wissenschaft nicht durch Angst gebremst werden darf, aber strengen Sicherheitsprüfungen unterliegen muss.

Ist „De-Extinction" die Rettung für unsere Ökosysteme?

Befürworter des Projekts, darunter Ryan Phelan vom Programm Revive & Restore, sehen die Biotechnologie als letzten Ausweg in Zeiten der Biodiversitätskrise. Ihr Argument: Da Menschen das Aussterben tausender Arten mitverursacht haben, tragen wir die Verantwortung, diesen Prozess mithilfe der Technologie umzukehren.

Organisationen wie Pollinis warnen hingegen eindringlich: Die Freisetzung veränderter Raubtiere in die freie Wildbahn ist ein gigantisches Experiment mit offenem Ausgang. Niemand weiß, wie sich ein solcher „neuer" Wolf auf Populationen anderer Säugetiere oder auf die Stabilität bestehender Wälder auswirken würde. Die Folgen könnten schlicht unumkehrbar sein.

Derzeit leben die Jungtiere unter streng kontrollierten Bedingungen in Gefangenschaft. Eine baldige Auswilderung ist nicht geplant – doch allein ihre Existenz verändert alles. Die Grenze zwischen dem, was natürlich gewachsen ist, und dem, was in einem Büro in Dallas am Computer entworfen wurde, ist verschwommen. Endgültig.

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