Renteneintritt: 35% der Franzosen verzeichnen steigenden Lebensstandard – gehören Sie dazu?

Renteneintritt und Lebensstandard: hartnäckige Ängste, überraschende Zahlen

Immer wieder hört man dieselbe Aussage: Mit dem Eintritt in den Ruhestand verliert man rund 25 % seines Einkommens. Diese Zahl wirkt einprägsam – doch sie verschleiert eine deutlich vielschichtigere Wirklichkeit. Wer nicht nur den Rentenbescheid betrachtet, sondern die Gesamteinkünfte des Haushalts, gelangt zu einem anderen Bild. Eine aktuelle Studie der Drees und des IPP stellt das Thema mit bislang unveröffentlichten, sehr konkreten Daten grundlegend neu auf.

Diese Untersuchung, die Rentnergenerationen aus den Jahren 2012 bis 2020 erfasst, verknüpft erstmals Rentendossiers mit Datenbanken des Insee. Dabei werden Berufsbiografien, Renteneintrittskonditionen und Haushaltseinkommen zusammengeführt, um die Entwicklung des Lebensstandards genau zum Zeitpunkt des Ruhestands zu beobachten. Das Ergebnis überrascht.

Rückgang der Altersarmut beim Renteneintritt: Was Drees und IPP herausgefunden haben

Im Jahr 2020 lebten 12,4 % der künftigen Rentner im Jahr vor ihrem Ausscheiden aus dem Berufsleben unterhalb der Armutsgrenze. Nach dem Einsetzen der Rentenzahlungen sank dieser Anteil auf 8,3 % – je nach Generation ein Rückgang zwischen 3,2 und 4,7 Prozentpunkten. Zum Vergleich: Die Drees ermittelte für 2022 eine Altersarmutsquote von 10 %, während sie für die Gesamtbevölkerung bei 14,4 % lag. Der Renteneintritt wirkt damit an diesem entscheidenden Lebensabschnitt wie ein Schutzschild.

Wie lässt sich dieser Puffereffekt erklären? Viele Ältere beenden ihre Erwerbsbiografie bereits ohne Beschäftigung – in unfreiwilliger Teilzeit, Arbeitslosigkeit oder Erwerbsminderung. Die monatliche Rentenzahlung stellt dann ein regelmäßiges Einkommen wieder her. „Dank des Erreichens des Rentenalters verlassen viele Franzosen die Armutszone – das bedeutet aber nicht, dass ihre Rente deshalb hoch wäre", erklärte Patrick Aubert gegenüber einem Wirtschaftsmedium.

Warum der Lebensstandard stabiler bleibt als das Gehalt vermuten lässt

Verglichen mit dem letzten Gehalt sinkt die Rente tatsächlich häufig um etwa 25 % – das ist die sogenannte Ersatzquote. Berücksichtigt man jedoch das Einkommen des Partners sowie die Haushaltsgröße, schrumpft der mediane Einkommensrückgang des Haushalts auf gerade einmal 14 %. Beim Lebensstandard gemäß der Insee-Definition beträgt das mediane Minus sogar nur noch 9 %. Und noch bemerkenswerter: 35 % der kurz vor dem Renteneintritt noch Berufstätigen verzeichnen danach sogar einen Anstieg ihres Lebensstandards.

Die betroffenen Profile sind klar erkennbar: Wer unmittelbar vor der Rente arbeitslos war, erlebt im Schnitt einen Anstieg des Lebensstandards um 9 %; Personen mit Erwerbsminderung verzeichnen ein Plus von 4 %. Für Beschäftigte im Privatsektor kann zudem die Berechnung auf Basis der 25 besten Einkommensjahre die Auswirkungen eines zuletzt schlechter bezahlten Jobs abfedern. Entscheidend ist dabei sowohl die Haushaltszusammensetzung als auch die Verlässlichkeit eines monatlichen Zahlungseingangs.

Welche Rolle spielen Mindestrente, Hinterbliebenenrente und soziale Absicherung?

Am unteren Ende der Einkommensskala fungiert die Aspa – das französische Mindesteinkommen für Ältere, das über dem RSA-Niveau liegt – als Auffangnetz für eine Minderheit. „Etwa 4 bis 5 % der Rentner beziehen die Mindestsicherung im Alter", präzisierte Aubert. Dieser Puffer verhindert zwar nicht jede Form von Armut, schützt jedoch vor extremer Mittellosigkeit. Ein weiterer wichtiger Baustein ist die Hinterbliebenenrente, die im Todesfall eines Partners zur Stabilisierung des Lebensstandards beiträgt – während Alleinstehende deutlich gefährdeter bleiben. Wer zudem bis 67 Jahre warten musste, um den Rentenabschlag zu vermeiden, ist statistisch stärker von Altersarmut bedroht als Personen mit einer vollständigen Rentenbiografie.

Ein häufig missverstandener Punkt bleibt die Mindestrente: „Der Begriff ist tatsächlich irreführend, weil er den Eindruck erweckt, es handle sich um ein Minimum", so Patrick Aubert. Tatsächlich hängt ihre Höhe von der Versicherungsdauer ab und greift zusammen mit weiteren Schutzregelungen – etwa für Kindererziehungszeiten oder Berufsunfähigkeit. Die Stärke des Systems liegt gerade im Zusammenspiel all dieser Mechanismen. „Statistisch gesehen funktioniert das bestehende System gut darin, Menschen aus der Armut herauszuholen", lautet sein abschließendes Urteil.

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